Gitarrentest - Les Paul : Gibson vs. Epiphone Teil 1
April 28th, 2008Nach langer Zeit habe ich mir gedacht, mal wieder etwas zu veröffentlichen.
In letzter Zeit war die Musik einfach wichtiger als Berichte schreiben.
Dieser Testbericht hat nicht den Anspruch auf vollständigkeit, könnte aber dem einen oder anderen helfen, eine Entscheidung zu treffen, welche Gitarre denn die bessere Wahl für ihn wäre - wenn man gerne eine Les Paul sein Eigen nennen möchte.
Fangen wir mit den Materialien und dem Äusseren an.
Zunächst wollen wir uns mal die Epi Paula genauer ansehen:
Es handelt sich um eine Epiphone Les Paul Standard Plus, Translucent Amber.
Entgegen der Behauptungen Vieler ist diese Epiphone Les Paul nicht aus Sperrholz o.ä. sondern tatsächlich aus massivem Mahagoni. Gut, der Korpus ist im Gegensatz zur Gibson aus 5 Stücken zusammengeleimt und nicht aus einem Stück - aber weiss man das bei den deckend lackierten Gibsons denn wirklich sooo genau, ob das denn auch der Fall ist ?!
Die Ahorndecke ist allerdings im Gegensatz zur Gibson nur ein dünnes Furnier und keine mindestens 2cm starke geflammte Ahorndecke. Die Rückseite ist ebenfalls dünn furniert - das soll wohl die Leimungen der Einzelteile kaschieren
. Die Epiphone ist im Gegensatz zur Gibson nicht mit Nitrolack lackiert, wahrscheinlich ist Polyurethanlack. Die Gitarre macht von der Verarbeitung her einen guten Eindruck. Die Trapezinlays sowie das Firmenlogo auf dem Headstock sind glatt in das Holz eingelegt. Das Binding ist sauber verleimt, die Bünde und das Griffbrett sehen gut aus, es gibt keine Deadspots. Die Halskrümmung passt auch.
Der Hals incl. Headstock besteht aus drei Teilen. Der Headstock ist mit dem oberen Ende am Hals verleimt. Das könnte m.E. sogar einen Vorteil in der Stabilität bringen, da sich so die Faserrichtung des Holzes ändert und die Fasern nun so der Länge nach an der abgewinkelten Kopfplatte anliegen
…mal abgesehen davon, dass es wohl produktionstechnisch weit billiger ist, als den Hals mit Headstock in einem Stück zu produzieren. Man sollte sich da immer vor Augen führen, dass da ungefähr 2500,- Euro zwischen vergleichbaren Gibson und Epiphone Modellen liegen. Die Kopfplatte hat einen etwas andere Form, epiphone typisch halt, nicht wie die “open book” Form von Gibson, die anscheinend nicht kopiert werden darf.
Die Hardware ist verchromt, die Reiter der Tune-O-Matic Bridge klappern nicht, das Stop-Tailpiece sieht ebenfalls aus wie bei Gibson.
Die Tuner sind von Grover, leichtgängig und halten die Stimmung wunderbar.
Klanglich ist die Les Paul gar nicht mal schlecht. Die beiden Humbucker kommen mir zwar ein ganz kleines bischen dumpfer und weniger dynamisch vor als die Gibson Pickups, das kann sich aber durchaus hören und sehen lassen. Die Klangregelung besteht aus 4 Potis und einem drei Wege Schalter. 2 Volumepotis, einen für den Halspickup, einen für den Bridgepickup und jeweils dazu einen Tonepoti (wer braucht denn sowas?!?!). Die Tonpotis werd ich wohl mal ablöten bei Gelegenheit und einen killswitch einbauen, da wird dann möglicherweise ein weiterer Bericht draus
.
Der drei Wege Schalter aktiviert in oberer position den Halspickup, unten den Bridgepickup, in der Mitte beide. Dreht man einen Volumepoti ganz aus, kann man den Schalter als Killswitch benutzen, wenn man z.B. den oberen Poti ganz ausdreht ist das Signal schon weg, wenn man den Schalter von unten auf die Mittelposition stellt. Da lassen sich dann schöne Transform Effekte oder Stakkatos erzielen, wie sie z.B. Buckethead gerne verwendet. Das geht allerdings mit einem Taster als Killswitch besser, aber dazu später mehr - in einem weiteren Bericht.
Nun kommen wir mal zu den Dingen, die mir nicht so gut gefallen an der “billigen” Paula:
Die Gitarre war von der Werkseinstellung her absolut nicht oktavrein, auch die Saitenlage war recht hoch, da hab ich doch recht viel schrauben müssen, bis das gepasst hat. Nicht so schön.. Ebenfalls weniger schön war der Reiter der tiefen E Saite. Da habe ich doch ein wenig nachfeilen müssen. Nun sitzt sie allerdings gut im “Sattel”. Nun hat sie eine super Saitenlage ohne viel Schnarren (trotz drop C tuning). Das Bundmaterial scheint mir auch weicher zu sein als bei den Gitarren der teureren Mutterfirma.
Man kann doch schon ordentlich Spuren/Rillen von den Saiten in den Bünden entdecken.
Die Pickups könnten ein wenig besser sein, kann man aber eigentlich auch nicht wirklich kritisieren…
Der Drei Wege Schalter knackt ein wenig und die Potiknöpfe sind ein bischen schief aufgesetzt und “eiern” beim drehen. Gut, das tun sie auch bei Gibson, Fender und Co ein wenig, hier eiern sie allerdings etwas mehr. Das Schlagbrett war schlecht entgratet an einer Stelle, sowas macht irgendwie einen billigen Eindruck. Das Teil hab ich der Paula mittlerweile eh ausgezogen, das Ding ist eh zu nicht viel Nütze.
Die Klinkenbuchse war auch lose, das war allerdings mit einem Maulschlüssel schnell behoben.
Thema Trussrod: Der Halsstab (Trussrod) ist wirklich verdammt fest gewesen, ich habe gedacht, ich brech entweder den Hals oder den Stab in 2 Teile, als ich ihn das erste Mal justiert habe.
Dies war erforderlich, da ich die Gitarre auf Drop C runtergestimmt habe und nun bei weitem fettere Saiten drauf habe (11 auf 56 statt werksmäßiger 10 auf 46). Der Saitenzug ist mit den dicken Saiten trotz Runterstimmens doch um einiges höher. Oktavreinheit war danach komischerweise fast noch vorhanden, kaum Einstellen erforderlich.
Alles in Allem muss ich sagen, dass die Epiphone Les Paul zwar von der Qualität nicht ganz an eine Gibson herankommt, jedoch finde ich, dass das Preis-Leistungverhältnis echt stimmt. Diese Les Paul hat einen Ladenpreis von 439,- Euro (in etwa 100,- Euro unter der Preisempfehlung des Herstellers, der Wettbewerb machts möglich ;-P ).
So, ich mach erstmal Pause, der zweite Teil folgt in Kürze.
Sebi


















